Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird anhand von drei explorativen Fallstudien untersucht, wie Textilien in der Primarstufe von Waldorfschulen integriert werden können. Anstatt Richtlinien vorzugeben, werden die Ergebnisse der Studie in den Kontext theoretischer Debatten über Handwerk, Handarbeit, verkörpertes Wissen und Ästhetik gestellt.
Anhand von Interviews mit drei Lehrkräften veranschaulichen die Fallstudien, dass Textilien sowohl als kulturelle Praktiken als auch als verkörperte Aktivitäten fungieren können: Sie können das multisensorische Lernen unterstützen, Geduld und Feinmotorik stärken und durch fantasievolle und ästhetische Erfahrungen die Identität fördern. Die Analyse legt nahe, dass Textilien nicht nur nebensächliche Aktivitäten sind, sondern als Praktiken dienen können, in denen Kognition, Verkörperung und Selbstverständnis zusammenlaufen. Frühere Perspektiven, wie beispielsweise Stehliks Kritik an der Technologie, werden unter Berücksichtigung aktueller Lehrplanreformen, die ein Gleichgewicht zwischen digitalen Werkzeugen und handwerklichem Lernen anstreben, neu überdacht.
Der Artikel hebt den heuristischen Wert von Fallstudien hervor, um zu veranschaulichen, wie theoretische Konzepte in der Praxis umgesetzt werden können, und bietet Einblicke für den akademischen Diskurs und Hinweise für zukünftige Forschungen an der Schnittstelle von materieller Kultur, Pädagogik und Identität.
Schlüsselwörter: Textilien, Waldorf-Primarstufe, Bildungsprozess, Fallstudie, pädagogisches Handeln