Ziel dieser Studie ist es, den Übergang in die Schule und die anschliessende Eingewöhnungsphase im Kontext der Waldorfpädagogik zu untersuchen, wobei der Schwerpunkt auf den sich überschneidenden Perspektiven von Klassenlehrpersonen und ihren Schülerinnen/Schülern liegt. In dieser Untersuchung wird die Waldorfpädagogik als bildungsorientierte Pädagogik dargestellt, d. h. sie unterstützt die Entfaltung des einzigartigen Potenzials jeder einzelnen Schülerin, jedes einzelnen Schülers. Lehrkräfte und Schüler werden als aktive Beteiligte in einer wechselseitigen Beziehung betrachtet, die durch die Konzepte der Eigenverantwortung der Lernenden und der pädagogischen Autorität geprägt ist.
Diese Untersuchung wurde als qualitative Grundlagenstudie unter Anwendung eines narrativen Ansatzes durchgeführt, die auf Interviews mit zwei Lehrkräften und sechs Erstklässlern basiert. Die Ergebnisse unterstreichen die entscheidende Bedeutung der ersten Schulmonate, in denen grundlegende Verbindungen der Schülerinnen zu sich selbst, zur Schule und zum Lernen hergestellt werden. Sie verdeutlichen zudem, wie wichtig es ist, eine pädagogische Beziehung zu fördern, in der ein Gleichgewicht zwischen der Eigenverantwortung der Schüler und der Autorität der Lehrenden angestrebt wird – ein Gleichgewicht, das sich in den frühen Lern- und Entdeckungserfahrungen der Schülerinnen widerspiegelt. Diese Studie skizziert zentrale Erkenntnisse, die sich aus dem waldorfpädagogischen Zugang bezüglich des Schuleintritts ableiten lassen. Sie zeigt, wie pädagogische Werte in der Praxis verkörpert werden können durch eine konstruktive, auf Bildung ausgerichtete pädagogische Beziehung. Sie hebt insbesondere die Vorteile des Klassenlehrermodells hervor, in dem eine langfristige Beziehung zu den Schülern aufgebaut wird, um diesen Übergang zu unterstützen. Die Studie verdeutlicht zudem, wie wertvoll es sein kann, erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse einzubeziehen, um die waldorfpädagogischen Prinzipien neu zu beleuchten bezüglich dieser entscheidenden Übergangsphase. Sie zeigt Brücken auf, die gebaut werden können zwischen einer Pädagogik, die lange ohne empirische Forschung existierte, und dem breiteren Feld der Pädagogik.
Schlüsselwörter: Pädagogische Autorität, Lernende als Akteure, Bildung, Schuleintritt, Waldorfpädagogik