Zusammenfassung
Diese Studie untersucht die pädagogische Praxis in schwedischen Steiner Waldorf Schulen unter Verwendung eines hermeneutisch-phänomenologischen Ansatzes, wobei der Schwerpunkt auf gelebten Erfahrungen von Rhythmus und Ausgewogenheit, zwischenmenschlichen Prozessen, Interaktion und Vertrauen zwischen Lehrenden, Schüler und Schülerinnen sowie deren Verbindung zu Macht- und Kontrollmechanismen liegt. Ausserdem wird die Erfahrung der Zugehörigkeit zu einer starken pädagogischen Tradition untersucht. Kognition und Erfahrung werden als soziale Phänomene verstanden, die von den Teilnehmern innerhalb eines bestimmten Kontexts geteilt werden, und theoretische Perspektiven werden mit allgemeinen Bildungsfragen, dem schwedischen Bildungskontext und der Steiner Waldorf Praxis verknüpft.
Die Daten wurden aus schriftlichen Protokollen, Beobachtungen und halbstrukturierten Interviews mit zehn Steiner Waldorf Lehrkräften zusammengestellt und durch thematische Analyse analysiert, ergänzt durch Konzepte von Basil Bernstein und der relationalen Pädagogik. Die Ergebnisse zeigen, dass die Steiner Waldorf Pädagogik in Schweden durch eine sichtbare Pädagogik mit einer klaren rhythmischen Struktur gekennzeichnet ist, wobei rhythmische und ausgewogene Methoden sowohl den Unterricht als auch die Interaktion zwischen Lehrern und Schülern prägen. Während des Hauptunterrichts sind die Klassifizierung und der Rahmen stark ausgeprägt, können sich jedoch zu einem eher zwischenmenschlichen Zugang verschieben, abhängig von dem Vertrauensverhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden.
Die Studie zeigt auch, dass die Anpassung an den schwedischen Lehrplan der öffentlichen Schulen die Transparenz und Professionalität erhöht hat, gleichzeitig jedoch die Autonomie verringert und ästhetische Elemente der Pädagogik beeinträchtigt hat. Trotz dieser Kompromisse bleibt die Steiner-/ Waldorf-pädagogische Tradition stark, wobei die Lehrkräfte als Hüter ihrer Methoden fungieren und zugleich die Tradition hinterfragen und Bereiche für weitere Entwicklungen identifizieren.
Schlüsselwörter: Steiner Waldorf Pädagogik, Vertrauen, Macht und Kontrolle, Klassifizierung und Rahmenbedingungen, Basil Bernstein, relationale Pädagogik