Zusammenfassung
Ausgehend von der Entstehung des ersten Kindergartens im 19. Jahrhundert aus den pädagogischen Impulsen Friedrich Fröbels und unter Berücksichtigung der philosophischen Grundlagen, auf denen er aufbaut (deutsche Romantik und Idealismus), untersucht diese Arbeit die spätere Entwicklung des Waldorfkindergartens in den 1920er-Jahren. Sie zielt darauf ab, das Verständnis der frühkindlichen Bildung auf der Grundlage der Waldorfpädagogik zu vertiefen, die von dem österreichischen Denker Rudolf Steiner befürwortet wurde, der sich ebenfalls von Autoren der deutschen Romantik und des Idealismus inspirieren liess. Die Studie befasst sich mit den Gründungsumständen des ersten Waldorfkindergartens in Stuttgart durch Elisabeth von Grunelius und untersucht ihre vorherige Ausbildung am Pestalozzi-Froebel-Haus. Anschliessend stellt sie Verbindungen zwischen den beiden pädagogischen Bewegungen her, sowohl philosophisch als auch methodisch, und identifiziert mögliche Einflüsse im Waldorfkindergarten. Die Analyse hebt sowohl Unterschiede – wie den Einsatz von «Geschenken» – als auch Gemeinsamkeiten, wie die Wertschätzung des freien Spiels, in mehreren Dimensionen hervor: das Spielverständnis; das Kinderbild; die Bedeutung der Nachahmungsfähigkeit des Kindes; die Beziehung von Erwachsenen und Kindern; die Gestaltung der Umgebung (Raum und Materialien); die Strukturierung der Zeit durch Rhythmen und Rituale; sowie die beständige Metapher der gärtnerischen Arbeit. Die Untersuchung berücksichtigt zudem Verzerrungen, denen die Fröbel’sche Pädagogik im Laufe der Zeit unterworfen war, und identifiziert in der Waldorfpädagogik eine Wiederbelebung vieler Elemente von Fröbels ursprünglichem Konzept. Abschliessend wird eine kurze Geschichte der Entstehung des Waldorfkindergartens in Brasilien vorgestellt, zusammen mit einem offenen Interview mit der Kindergärtnerin Christa Glass, einer Pionierin dieser Bewegung im Land.
Schlüsselwörter: Waldorfkindergarten, Friedrich Fröbel, Rudolf Steiner, Elisabeth von Grunelius