In unserem Forschungsprojekt haben wir die Einstellungen von Steiner-Waldorf-Absolventen zu ihrer Ausbildung untersucht. Wir haben untersucht, welche Aspekte sie schätzten und ob sie das Gefühl hatten, dass ihre Ausbildung ihren Erwartungen und Bedürfnissen gerecht geworden war. Eine weitere zentrale Frage betraf ihre Sicht auf die Rolle der Anthroposophie in der Steiner-Waldorf-Pädagogik.
Bei der Auswertung unserer Ergebnisse zogen sich bestimmte Themen wie ein roter Faden durch die Reflexionen der Absolventen: Wir stellten fest, dass ihre Ausbildung in gewisser Weise ihr Selbstverständnis und ihre Identität geprägt hatte. Die Absolventen äusserten, dass ihre Fähigkeiten sowie die Werte und Überzeugungen, die sie heute in ihrem persönlichen, beruflichen und sozialen Leben prägen, stark von ihren Schulerfahrungen geprägt wurden. Wir waren fasziniert, eine starke Übereinstimmung zwischen den Merkmalen, die sie am meisten schätzten, und den zentralen «pädagogischen Werten» Weisheit, Leben, Liebe und Stimme zu entdecken, wie sie von Gidley (2009, 2016, 2022) charakterisiert und als Leitprinzipien im australischen Steiner-Lehrplanrahmen (SEA, 2011; Haralambous, 2018) angewendet werden. In diesem Artikel beleuchten wir die Aussagen der Absolventen zur Herausbildung ihrer Werte und ihres Selbstverständnisses vor dem Hintergrund von Steiners (1894/1964) Philosophie des ethischen Individualismus und Biestas (2022) Konzept der Subjektivierung.
Schlüsselwörter: Absolventenergebnisse, Anthroposophie, pädagogische Werte, ethischer Individualismus, Subjektivierung