Wer erziehen will, muss selber erzogen sein. Wer auf die Jugend wirken will, muss selber jung bleiben und unablässig an sich selber arbeiten.

 

Simon Gfeller, Schweizer Pädagoge und Mundartschriftsteller (1868 - 1943)

Unterricht
Klassenführung, Klarheit, Festigkeit, ‘Wissen was läuft’, Rhythmus, Vitalität, menschliche Präsenz
Von: Trevor Mepham, Juni 2018,

Unterrichtsmanagement – Kunst und Wissenschaft


Unterrichtsmanagement – ist das wirklich mehr, als zu wissen, wo die Scheren aufbewahrt werden? Oder, wie ein Lehrer eine Klasse dazu bringt, sich mit ihren Stühlen aufzustellen und geordnet in die Aula zu marschieren? Offenbar ja, wenn man sich die Bibliotheken in Lehrerseminaren anschaut.

Bei einem Besuch in der Bibliothek einer nahegelegenen Universität kürzlich ergab ein Blick in den Katalog immerhin 835 Titel, die sich auf das Unterrichtsmanagement oder die Klassenführung bezogen. Einer dieser Texte beschreibt das Unterrichtsmanagement als:

 

"Orchestrierung des Unterrichtsgeschehens, das heißt: Umsetzung des Lehrplans, Organisation von Verfahren und Ressourcen, Organisation der Lernumgebung zur Maximierung der Effizienz, Überwachung des Fortschritts der Schüler und Vorwegnahme potenzieller Probleme." (1)

 

Vor diesem Hintergrund fällt auf, dass Rudolf Steiner in seinen Vorträgen und Diskussionen mit den Lehrern der Ersten Waldorfschule nur wenige konkrete Hinweise auf das Unterrichtsmanagement gibt. Stattdessen spricht er viel über die unsichtbaren und immateriellen Elemente des Schullebens und die Beziehungen zwischen Schülern und Lehrern. In einem Vortrag von 1920 zum Beispiel betont Steiner, wie wichtig es ist, künstlerisch mit den Kindern zu arbeiten.

 

„Wir müssen in dieser Beziehung als Lehrer zu Künstlern werden. So wie der Künstler ganz unmöglich ein Ästhetikbuch in die Hand nehmen kann, um nach den Grundsätzen des Ästhetikers zu malen oder zu bildhauern, so sollte der Lehrer ganz unmöglich eine von jenen pädagogischen Anleitungen gebrauchen, um zu unterrichten. Was der Lehrer aber braucht, ist ein wirkliches Einsehen desjenigen, was der Mensch denn eigentlich ist; was er wird, indem er sich durch die Kindheit hindurch entwickelt.“ (2) 

 

Anstatt aber diese beiden recht unterschiedlichen Sichtweisen einfach als widersprüchlich anzusehen, sollte man sie besser als zugleich komplementär undwidersprüchlich betrachten.

 

Im Kern besteht ein effektives Unterrichtsmanagement darin, zur richtigen Zeit am richtigen Ort das Richtige zu tun. Nicht mehr und nicht weniger. Techniken und Instrumente allein sind wertlos ohne Know-how und pädagogischem Instinkt.

 

Wenn es im Klassenzimmer problemlos funktioniert, scheint es so einfach und selbstverständlich zu sein, wie ein Baum, der im Wald steht. Im Idealfall ist das Unterrichtsmanagement ein Nicht-Ereignis; man bemerkt es gar nicht, so wie Gesundheit oder Wohlbefinden. Aus einer anderen Perspektive aber ist das Unterrichtsmanagement ein komplexes methodisches Problem. Wenn es zusammenbricht, liegen die Nerven blank und viel Zeit wird vertan.

 

Eine Klasse leiten

Eine Klasse zu leiten ist zunächst Handwerk. Es ist aber auch eine Einstellung. Es ist nicht genau Führung, aber es beinhaltet sie. Es geht auch nicht nur um Macht und Position; Verantwortung und Dienstleistung sind ebenso Merkmale des Unterrichtsmanagements. Verantwortung zu übernehmen, zu kontrollieren, rechenschaftspflichtig zu sein und mit Sicherheit zu agieren sind Dimensionen des Managements, aber auch Sensibilität, Flexibilität, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, mit Menschen umzugehen und sie zu begeistern, zu motivieren und Vertrauen zu schaffen.

 

Vier Aspekte oder Dimensionen des Unterrichtsmanagements sollen kurz dargestellt werden:

 

1. Der Punkt und die Linie. Anders ausgedrückt: Zentrum und Peripherie. Der Lehrer muss ein Bewusstsein für das Zentrum der Klasse - die vorherrschende Stimmung, die wesentlichen Qualitäten und die Dynamik - kombinieren mit Wachsamkeit gegenüber dem, was an den Rändern oder an der Peripherie der Klasse zu einem bestimmten Zeitpunkt geschieht;

2. Die Ebene oder die Oberfläche. Die Topographie des Unterrichtsmanagements besteht aus der täglichen, bodenständigen Planung, Organisation, Entscheidungen und Umsetzung von Entscheidungen. Dies ist die pragmatische Grundlage des Unterrichtslebens, die Sorge um Qualität, die den Schülern wie den Lehrern Sicherheit, Gewissheit, Regelmäßigkeit, Kontinuität und ein allgemeines Wohlgefühl bietet;

3. Geometrisch betrachtet betrifft die dritte Dimension das Volumen. Die dritte Dimension des Unterrichtsmanagements befasst sich mit Substanz und Breite der Vorbereitung und ihrer gedanklichen Durchdringung sowie hinreichend langem und tiefem Schlaf, der das hohe Arbeitsvolumen kontinuierlicher Bildungsarbeit erst ermöglicht.

4. Die vierte Dimension ist schwer zu bestimmen, obwohl sie ein ausschlaggebender Faktor ist. Um sie zu beschreiben, muss man in die immateriellen Bereiche des pädagogischen Instinkts, der menschlichen Fehlbarkeit, der Autorität und des Lehrerseins gehen. In dieser Dimension des Unterrichtsmanagements bewegt sich der Lehrer hin zu Selbstausrichtung, Selbsterkenntnis, Selbstenthüllung und Selbsttransformation.


Die vier Regeln

Wenn die vier Dimensionen des Unterrichtsmanagements auf einer einzigen Seite skizziert werden können, gibt es einige andere Modelle, die noch kürzer sind. Ein von Smith und Laslett (3) umrissener Vier-Regeln-Rahmen ist so knapp, dass er auf die Rückseite eines Umschlags passt. Der Direktheit und praktischen Offenheit dieses Modells mag an Raffinesse und Eleganz mangeln, aber als eine Formel hat sie eine gewisse pragmatische Überzeugungskraft. Die Regeln beziehen sich auf Timing und Tempo, Aktivitäten, Übergänge und menschliche Dynamik. Sie sind:


1. holen Sie die Schüler herein

2. fangen Sie gleich an 

3. sorgen Sie für gute Stimmung 

4. lassen Sie die Schüler wieder heraus


Obwohl diese Regeln möglicherweise keinen integrierten Entwurf für die Unterrichtspraxis darstellen, kann man wohl doch sagen, dass viele der komplexen und scheinbar unlösbaren Probleme des Unterrichtsmanagements auf Schwierigkeiten zurückzuführen sind, die bei der Anwendung einer dieser vier Regeln auftreten.

 

Die drei Begriffe

Wenn das immer noch zu lang ist, wären da noch die drei Begriffe, die selbst auf der Rückseite einer Briefmarke Platz fänden: Inhalt, Technik undBeziehungsind wichtige Themen der Unterrichtspraxis. Wenn ein Lehrer mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat oder Zweifeln ausgesetzt ist - und es fällt oft schwer diese konkret zu benennen oder genau zu beschreiben - ist es gut möglich, dass das Problem in einem dieser drei großen Bereiche liegt. Man kann sich viele solche Probleme oder Schwierigkeiten vorstellen, zum Beispiel, mitten in einer Geschichte den Faden zu verlieren, das geringe Selbstwertgefühl vieler Kinder im Fach Mathematik anzusprechen oder die Tatsache, dass Lehrer sich oft in Drohungen flüchten, um die Disziplin im Klassenzimmer aufrecht zu erhalten.

 

Technische Probleme

In den 1960er und 1970er Jahren führte J S Kounin (4) einige wissenschaftliche Untersuchungen zum Unterrichtsmanagement durch, die sich mit spezifischen Fragen der Unterrichtstechnik befassten.

 

Einen Flip-Flopnannte er die Arbeitsweise eines Lehrers, der von einem Thema zum anderen springt und dann in einer verwirrenden und uneindeutigen Art und Weise zwischen ihnen hin und her springt. Bei einem Danglebleibt eine Anweisung oder ein Kommentar unvollständig und wird daher wahrscheinlich nur Verwirrung stiften. Einen Thrustnennt er eine Kombination aus Forschheit, schlechtem Timing und Weitschweifigkeit. Der Lehrer versucht klar und deutlich mit einer Störung umzugehen, bringt aber nur Sätze hervor, die schließlich fast surreal klingen.

 

Kounin konzentriert sich auch auf Techniken, bei denen es um die allgemeine Einstellung zur Disziplin geht. Es richtet seine Aufmerksamkeit dabei auch auf den Welleneffektdes Lehrerverhaltens und dem Unterschied zwischen Klarheit, Entschiedenheit und Grobheit. Forscher haben beobachtetet, dass das Verhalten der gesamten Klasse beeinflusst wird, wenn ein Kind verwarnt oder getadelt wird. Ist der Lehrer klar in seinem Verhalten wird das unerwünschte Verhalten in der Klasse reduziert; wenn ein Lehrer entschieden ist, nimmt das nicht konforme Verhalten manchmal ab; während die Kinder als Reaktion auf eine grobe oder scharfe Zurechtweisung ihr Verhalten selten positiv veränderten.

 

Lernbedürfnisse - menschliche Bedürfnisse

Die Arbeit des Psychologen Abraham Maslow bietet eine weitere hilfreiche Perspektive für den Umgang mit der Befindlichkeit und der Organisation einer Klasse (5). Die Theorie beschreibt ein abgestuftes System wesentlicher menschlicher Bedürfnisse und gilt gleichermaßen für den Lern- wie Lehrprozess. Laut Maslow steigert die schrittweise Erfüllung dieser Bedürfnisse die Lebensqualität eines Menschen und ermöglicht es einer Person, ihr menschliches Potenzial zu entfalten. Maslows "Pyramide" hat sechs große Ebenen der menschlichen Bedürfnisse.

 

Innerhalb eines Klassenzimmers können Faktoren wie eine kalte oder stickige Raumtemperatur, eine schlecht beleuchtete Tafel, Kinder, die hungrig oder überzuckert sind, dazu dienen, die Fähigkeit der Kinder einzuschränken, aufmerksam zu sein und aktiv am Lernen teilzunehmen.

 

Die zweite Bedürfnisebene: Wenn ein Kind sich in einem Klassenzimmer nicht sicher fühlt und das Gefühl hat, dass das Leben im Klassenzimmer nicht "in Ordnung" ist, dann wird dies die Lernleistung des Kindes mindern.

 

Die dritte Bedürfnisebene: Das Gefühl der Zugehörigkeit ist mit dem Kriterium der Sicherheit verbunden, hat aber mehr mit der inneren Befindlichkeit der Person zu tun. Sich als Teil einer Klasse, einer Gruppe von Kollegen oder einer Schulgemeinschaft zu fühlen, ist für die meisten Menschen eine wirkmächtige und qualitativ relevante Erfahrung.

 

Die vierte Ebene in Maslows Pyramide hat mit Aspekten der Wertschätzung zu tun. Bei der Wertschätzung geht es um mehr, als nur um eine bestimmte Stellung im Leben, um eine Rolle in einer Gruppe oder um vereinbarte Aufgaben und Funktionen.

 

Die fünfte und sechste Ebene von Maslows Pyramide konzentriert sich auf das Lernen. Zu Beginn liegt die Aufmerksamkeit auf der Verwirklichung von Leistung, von individuellem Fortschritt und Entwicklung. Dann rückt der Fokus auf die Verwirklichung des Lernens und die Entwicklung des Verstehens in der Weise, dass die eigenen und partikularen Interessen überwunden werden und das Erlernte zum Wohle aller und der Liebe zum Lernen an sich dient.

 

Was daraus folgt

Ein funktionierender Rahmen für das Unterrichtsmanagement besteht aus einer Reihe von komplementären Begriffspaaren: Aktivität und Ruhe, Initiative und Empfänglichkeit, Planung und Improvisation, Überblick und Detail, Flexibilität und Bestimmtheit sind wesentliche Merkmale dieses Rahmens. Grundsätzlich ist das Unterrichten ein aktives Tun, das vorbereitet werden kann und sollte, das später reflektiert, und kritisiert wird, das aber vor allem anderen sich in der Gegenwart entfaltet. Die Polarität im Unterrichtsmanagement ist "Bohemian Broad Brush" im Gegensatz zu "Herculean Micro-Management" wie O’Neill es ausdrückt (6). Die Aufgabe des Lehrers ist es, eine Balance zu finden, zwischen der Unbestimmtheit und dem Durcheinander, das die Kreativität begleitet, und der restriktiven, einschränkenden Natur von Form und Struktur.

 

Nachdem eine Grundlage für das Unterrichtsmanagement geschaffen wurde, entsteht ein faszinierendes Paradox im Hinblick auf die Fachkenntnis und Professionalität des Lehrers. Es mag für manchen Lehrer unangebracht erscheinen, eine Frage oder ein Problem mit einem schlichten - Ich weiß es nicht -zu beantworten.

 

Zwei Fragen sind untrennbar mit der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Unterrichtsmanagement verbunden und der Prozess, der hinter den Fragen steht, ist im Wesentlichen ein gestalterischer Prozess.

 

• Ist mir bewusst, was ich nicht weiß?

• Habe ich den Wunsch zu lernen, was ich nicht weiß?

 

Ausgehend von einer Grundlage aus Interesse, Sorgfalt und "Nicht-Wissen", die sich im Bewusstsein des Lehrers befindet, hat der Lehrer an einem Entwicklungsprozess, der darauf aufbaut einen sehr großen Anteil. In vielen Bereichen der Pädagogik, einschließlich des Unterrichtsmanagements, kann ein Entwicklungsweg zurückverfolgt werden, der von der Ausgangsmotivation des Lehrers, also: Sorgfalt, Interesse und "Nichtwissen"hinführt zu Hilfe, Veränderung und "dem Richtigen". Auf einem Weg, der keineswegs linear verläuft, geht es von dem oben beschriebenen Ausgangspunkt durch die Phasen des Beobachtens, des Erkennens, und des Verstehens, hin zu wahrer Erkenntnis, die sich dann in praktischer Tätigkeit und hilfreicher Lenkung manifestiert.

 

In einem Vortrag für Lehrer bezog sich Steiner auf die Lerngemeinschaft von Schülern und Lehrern, und machte deutlich, dass Unwägbarkeiten zu den wichtigsten Dingen im Lehr- und Lernprozess gehören.

 

„Wenn Sie am Anfange des Schuljahres wirklich das alles gekonnt hätten, was Sie nun am Ende des Jahres können, so hätten Sie schlecht unterrichtet. Gut haben Sie dadurch unterrichtet, daß Sie es sich erst erarbeitet haben! Also denken Sie, ich muß das Paradoxon vor Sie hinstellen, daß Sie dann gut unterrichtet haben, wenn Sie das nicht gewußt haben, was Sie am Ende des Jahres gelernt haben, und daß es schädlich gewesen wäre, wenn Sie zu Beginn des Jahres das schon gewußt hätten, was Sie am Ende des Jahres gelernt haben.“ (7) 

 

Von Prinzip zur Technik und wieder zurück

Beim Unterrichtsmanagements müssen allgemeine Prinzipien auf individuelle, differenzierte Bildungssituationen angewendet werden. Das bedeutet, dass hier Geistes- und Naturwissenschaften gefragt sind. In seinem Buch über Jugend und Jugendliche weist Elkind auf diesen Punkt hin:

 

"Ein Problem mit Techniken ist, dass sie nur eben das sind, Techniken. Sie gründen nicht auf etablierte psychologische Forschung und Theorie oder moralische oder ethische Prinzipien. Manchmal funktionieren sie, manchmal auch nicht. "(8)

 

Bei der Arbeit im Klassenzimmers bilden allgemeine Grundsätze und Erwartungen die Basis für den Umgang mit bestimmten Situationen. Dazu muss eine Lernsituation geschaffen wird, in der sich alle wohlfühlen und die zum Lernen einlädt und in der Schüler und Lehrer einander in Anerkennung, Akzeptanz und Respekt begegnen.

 

Bei den Erwartungen und Regeln für das Verhalten und Benehmen ist es von entscheidender Bedeutung, dass zwischen den Vereinbarungen und gemeinsamen Prinzipien eines Kollegiums und der Situation des einzelnen Lehrers, der mit einer bestimmten Klasse arbeitet, ein unmittelbarer Zusammenhang besteht. Wo Kollegen schon die Grundlagen gelegt haben für gemeinsame Standards in Bezug auf Verhalten, Übergänge, Regeln, Gewohnheiten usw., kann dies den Arbeitsalltag unmittelbar und sehr zeitökonomisch unterstützen. Das Etablieren einer Reihe von Selbstverständlichkeiten im Bereich von Geboten, Verboten und Arbeitsgewohnheiten kann das Leben für Kinder und Lehrer einfacher, effizienter, weniger repetitiv und insgesamt interessanter machen. Für sich genommen ist diese gemeinsamen Basis jedoch noch keine hinreichende Voraussetzung für eine gesunde und harmonische Atmosphäre im Klassenzimmer.

 

Auf der Suche nach einem gelingenden Unterrichtsmanagement muss der Lehrer wohl sowohl Künstler wie Wissenschaftler sein. Um diese beiden Qualitäten und Haltungen umsetzen zu können, muss der Lehrer jedoch ein weiteres Element hinzufügen: individuelle und autonome Autorität (9). Die Autorität des Lehrers fungiert als Brücke zwischen dem Reich der Kunst und dem der Wissenschaft, um Glaubwürdigkeit und Integrität für jedes dieser Reiche und zugleich ihre Integration zu schaffen. Kounin (4) beschrieb diese Eigenschaft der Autorität als einen Zustand der "withitness" – des “wissen-was-läuft”. Salopp gesagt ist dies der Lehrer, von dem angenommen wird, dass er Augen im Hinterkopf hat und Ohren in jeder Wand und insgesamt einfach allwissend ist.

 

Fazit

Im Wesentlichen liegt die Effektivität des Unterrichtsmanagements in der Person des Lehrers und seiner Praxis. Es gibt Bücher in Hülle und Fülle über Techniken, Strategien, Dinge zu tun, Dinge zu vermeiden, "Top-Tipps" und Beispiele für gute Praxis. Handbücher, Checklisten, Theorien und Strategien können jedoch nicht als Ersatz dienen für die Präsenz des Lehrers und pädagogisches Bewusstsein. Diese schwer fassbaren Qualitäten können vielleicht folgendermaßen beschrieben werden: Um eine gute Lernumgebung zu schaffen, muss der Lehrer einen Sinn für den Ort sowie ein Gefühl für Zeit und Timing haben. Wer über diese Sinne verfügt, echte Sorge und Interesse an den Kindern und deren Lernen hat, schafft damit eine positive Grundlage für eine gesunde Unterrichtsethik und -dynamik. Schließlich wird die Fähigkeit, dieses Interesse und diese Sorge mit Klarheit und Ziel auszudrücken, die pädagogischen Grundlagen des Lehrers stärken.

 

Der Schlüssel zum Verständnis der Unwägbarkeiten des Unterrichtsmanagements liegt eher im Bereich der Kunst, während das konkrete Wissen um Techniken und Methoden sich für eine wissenschaftliche Beschäftigung eignet. Es dient der Qualität des Unterrichtsmanagements, wenn Einseitigkeit und Extreme, Fixierung und Dispersion vermieden werden. Wenn stattdessen Rhythmus, Vitalität und menschliche Präsenz den Unterricht durchdringen, ist das Unterrichtsmanagement zugleich vorhanden wie auch unbemerkbar!

 

 

Trevor Mepham ist Schulleiter der aus öffentlicher Hand finanzierten Steiner Academy Frome, in Somerset, England. Ehemals war er Schulleiter der Steiner Academy Hereford und Co-Direktor des Steiner BA Programms der Universität Plymouth. Während mehreren Jahren war er als Klassenlehrer an der South Devon Steiner School tätig. Im Weiteren war er Berater für Lehrpersonen und Mitglied des Exekutivrates der Steiner Waldorf Schools Fellowship (SWSF) und des European Council for Steiner Waldorf Education (ECSWE). Trevor ist Mitglied des Stiftungsrates von „Children of Peace“. Diese Organisation arbeitet mit palästinensischen und israelischen Kindern für ein friedliches und positives Zusammenleben der nächsten Generation.

 

Übersetzt von Gerd Stemann

Editiert von Katharina Stemann, Februar 2018

 

Literatur

(1) Lemlech J (1988), Classroom Management, Longman, New York

(2) Steiner R (1993), Meditativ erarbeite Menschenkunde, GA 302a, 1. Vortrag, 15.09.1920

(3) Smith C & Laslett R (1993), Effective Classroom Management, Routledge, London

(4) Kounin J S (1970), Discipline and Group Management in Classrooms, Holt, Rinehart & Winston, New York

(5) Maslow A H (1998), Towards a Psychology of Being, John Wiley & Sons Inc.

(6) O’Neill O (2002), A Question of Trust – the BBC Reith Lectures 2002, Cambridge University Press, Cambridge

(7) Steiner R (1993), Meditativ erarbeite Menschenkunde, GA 302a, 1. Vortrag, 15.09.1920

(8) Elkind D (1998), All Grown Up and No Place to Go, Perseus Books, New York

(9) Mepham T (1997), The Value of Authority in Education, Paideia, No. 13

 

Weiterführende Literatur

Jersild A (1955), When Teachers Face Themselves,University of Columbia Press, Columbia

Reps P (1980), Zen Flesh, Zen Bones, Pelican Books, London 

Steiner R (2010), Allgemeine Menschenkunde, GA 293, 9. Vortrag, 30.8.1919

Steiner R (1981), Gegenwärtiges Geistesleben und Erziehung, 1. Vortrag, GA 307a, 5.8.1923

Urieli B (2001), Male and Female, Temple Lodge, London  



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