Wer erziehen will, muss selber erzogen sein. Wer auf die Jugend wirken will, muss selber jung bleiben und unablässig an sich selber arbeiten.

 

Simon Gfeller, Schweizer Pädagoge und Mundartschriftsteller (1868 - 1943)

Grundlagen
Lehrer- und Erzieherausbildung, Selbststudium, lebensorientierte Bildung, pädagogische Autonomie, Sprachtraining, anthroposophisches Studium, Forschungskultur, Ausbildung Ausbildner
Von: Waldorf Ressourcen, Februar 2018,

1100 Schulen und neue Herausforderungen in der Ausbildung


Aktuell gibt es weltweit 1100 Waldorfschulen. Das stellt auch die Ausbildung von Lehrpersonen vor neue Herausforderungen. Im Gespräch mit Ausbildnerinnen und Ausbildnern wollten wir wissen, vor welchen Aufgaben sie zur Zeit stehen. Wir sprachen mit Christian Boettger (Deutschland), Melanie Guerra (Brasilien), Susan Howard (Nordamerika), Louisa Oberholzer (Südafrika) und Angelika Wiehl (Deutschland).

Wir freuen uns, dass wir fünf internationale Ausbildnerinnen und Ausbildner für ein Gespräch gewinnen konnten. Bitte stellen Sie sich und Ihre Aufgaben kurz vor!

 

Christian Boettger: Ich habe mit Michael Harslem zusammen die Idee einer selbstverwalteten berufsbegleitenden Ausbildung für Lehrpersonen an Waldorfschulen entwickelt. Grundlage der Idee ist, dass die Lehrpersonen an den Schulen sein müssen, denen die Kinder begegnen wollen. Und dass gerade im Bereich der Erwachsenenausbildung eine Selbstausbildung gefragt ist. Diese sollten die Menschen selbstbestimmt und miteinander organisieren. Damit der Reibungsverlust nicht zu groß ist, begleitet ein Ausbildungsbegleiter oder eine Seminarbegleiterin die Studierenden. Für die Ausbildung der Seminarbegleiterinnen haben wir Kurse eingerichtet, an denen ich auch tätig bin oder ich gebe Seminarkurse, zu den Themen, die sich die Studierenden wünschen, wie gerade zur „Allgemeinen Menschenkunde“ in Offenburg/Deutschland. Die Studierenden müssen ihre finanziellen und organisatorischen Angelegenheiten selbst organisieren. Insbesondere aber müssen sie gemeinsam das Curriculum ihrer Ausbildung klären, dazu brauchen sie eine gute Anleitung. Aber sie sind, wenn sie an die Schulen kommen, in allen Sozialkompetenzen und in der Selbstverwaltung gestärkt.

 

Melanie Guerra: Ich war 16 Jahre Klassenlehrerin an der Waldorfschule in São Paulo/Brasilien und seit 10 Jahren unterrichte ich dort am Seminar die angehenden Lehrpersonen. Gerade dieses Jahr hat die Faculdade Rudolf Steiner vom Brasilianischen Kultusministerium die Genehmigung für die Graduiertenkurse für allgemeine Pädagogik und für die Masterkurse in der Waldorfpädagogik bekommen.

 

Susan Howard: Ich bin seit 1984 in der Lehrerausbildung tätig als Direktorin des Waldorfausbildungsprogramms für Frühe Kindheit am Sunbridge Institute in den USA. Ich habe auch Ausbildungskurse für frühkindliche Erziehung in Chengdu, China, unterrichtet und als Beraterin für das Waldorfausbildungsprogramms für Frühe Kindheit in China gearbeitet. Ich bin in der IASWECE Arbeitsgruppe „Working Group on Training“ aktiv, die Waldorf-Ausbildungskurse für die frühkindliche Erziehung weltweit prüft und zertifiziert. Ich verwalte ein Trainernetzwerk für Waldorf Ausbilder in diesem Bereich, um Fragen, Forschung, Lehrpläne usw. bereit zu stellen. Und wir organisieren alle zwei Jahre internationale Treffen von Steiner/Waldorf Ausbildnern. Darüber hinaus bin ich ein Mitglied des Ausschusses für Lehrerbildung, der Waldorfvereinigung Frühe Kindheit in Nordamerika. In beiden Gruppen war ich aktiv daran beteiligt, Richtlinien und gemeinsame Prinzipien für die frühkindliche Waldorfpädagogik zu entwickeln, die von beiden Organisationen zur Anerkennung von Waldorf-Pädagogikkursen und Instituten genutzt werden.

 

Louisa Oberholzer: Als Koordinatorin der Südafrikanischen Waldorfschulvereinigung trage ich die Verantwortung dafür, dass Lehrkräfte ihr Verständnis der Prinzipien der Waldorfpädagogik vertiefen und im Unterricht auch anwenden können. Ich habe die Gremien dabei unterstützt, ein Kernkurrikulum für die nationale Lehrerausbildung zu verfassen, das Schulen bei der Ausbildung von Lehrern anleiten soll und habe viel Zeit damit verbracht, staatlich ausgebildete Lehrer, die in einer Waldorfschule arbeiten, weiterzubilden und zu betreuen. Als Koordinatorin des Föderationsrates bin ich verantwortlich für das weitere Lese- und Schreibtraining von Lehrern, die bereits in den Schulen arbeiten. Ich biete Ausbildungsmodule für Lehrer an, hauptsächlich in der Kap Region, wo ich auch lebe. Diese Module umfassen Grammatik und Rechtschreibung, sowie schriftliche wie mündliche Sprachproduktion. Ich betreue Lehrer, indem ich ihren Unterricht beobachte, ihnen Feedback gebe und ihnen bei der Planung ihres Unterrichtes helfe und durch die Betreuer vor Ort wird die Bereitstellung von Trainingsmodulen erleichtert.

 

Ich habe 2016 einen Pilot-Workshop für Sprachtraining auf den Weg gebracht, der auf dem Format der „English Week“ basiert. Wir haben das „Sprachwoche“ genannt und wir haben sie für die Lehrer aller Sprachen geöffnet, einschließlich Afrikaans und afrikanischen Sprachen. Schließlich helfe ich noch bei dem jährlichen Test der Vereinigung, den Lese-Rechtschreibstandards zur Alphabetisierung.

 

Angelika Wiehl: Ich bin selbst sehr gerne in die Waldorfschule gegangen und habe bis heute das Gefühl, dass viele Erlebnisse meiner Schulzeit eine lebensstärkende Wirkung haben. Dieses Grundgefühl der Lebenssicherheit erfahrbar zu machen, war und ist mir ein Anliegen in meiner fast 30-jährigen Tätigkeit als Waldorflehrerin, Waldorfpädagogikdozentin und jetzt auch als Hochschullehrerin an der Alanus Hochschule. Gerade in der Ausbildung von Waldorfpädagogen bedarf es einer wirklich lebensorientierenden Bildung.

 

Was sind die aktuellen Herausforderungen für Sie, für Ihre Studierenden, für Ihr Land und weltweit?

 

Christian Boettger: Es gibt zu wenig gut ausgebildete Lehrpersonen an Waldorfschulen. Es gibt auch zu wenig Menschen in den Schulen, die sich trauen, Kurse für solche Seminare zu geben. Selbstverständlich ist es auch wichtig, die richtige Sprache zu finden, die inspiriert und motiviert, die Grundlagen Steiners zu erarbeiten. Das Thema selbstverwaltete berufsbegleitende Ausbildung in der Ausbildungslandschaft in Deutschland zu platzieren, ist auch immer noch eine große Herausforderung.

 

Melanie Guerra: Oh, es gibt viele Herausforderungen, zum Beispiel die Studierenden zu gemeinsamen Forschungsprojekten anzuregen. Eine weitere Herausforderung ist es, den Studierenden die Anthroposophie näherzubringen. Eine Frage ist auch, wie die Studierenden pädagogische Autonomie erlangen können.

 

Susan Howard: Heute ist es für die Studierenden schwierig, sich eine Waldorfausbildung leisten zu können. Immer häufiger müssen sie in Vollzeit arbeiten, während sie sich gleichzeitig in der Lehrerausbildung befinden. Noch dazu sind sie oft auch junge Eltern, und ihr Leben ist ziemlich kompliziert. Nicht selten verliefen ihre Kindheit oder frühen Erwachsenenjahre traumatisch, und sie kommen zu den Trainingskursen in irgendeiner Weise "verwundet" und müssen ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden wiedererlangen, während sie sich gleichzeitig darauf vorbereiten, um kleine Kinder zu kümmern.


Da immer mehr spezifische Bereiche der frühkindlichen Arbeit entstehen, zum Beispiel die Betreuung von Säuglingen, Kleinkindern, Eltern-Kind Spielgruppen, Nachsorge usw., erfordert jede Spezialisierung eine weitere Schulung. Es besteht die Gefahr, dass die Studierenden den Sinn für das „Ganze“ verlieren. Oft ist auch die frühkindliche Erziehung getrennt von der Grundschullehrerausbildung, und die zukünftigen frühkindlichen Erzieher haben möglicherweise kein ausreichendes Wissen über die Waldorfschulbildung.


Eine Herausforderung, die ich auf internationaler Ebene beobachte, besteht darin, dass, obwohl die Schulungskurse nach internationalen Richtlinien arbeiten, es nicht immer klar ist, welches die kulturellen Voraussetzungen der Dozenten sind - ich habe die Sorge, dass eine sehr eurozentrische und traditionelle Herangehensweise an die frühkindliche Bildung weltweit gefördert wird. Wir müssen unseren Ansatz für die Arbeit mit den Studierenden von heute tatsächlich erneuern. Dies sind Themen, auf die wir uns bei internationalen Treffen für Ausbilder im frühkindlichen Bereich konzentriert haben, die die IASWECE in den letzten Jahren veranstaltet hat.


Auch bei der Lizensierung von Lehrern und der Anerkennung von Waldorfpädagogen durch die Behörden gibt es Probleme. Es gibt einen Trend zur „Akademisierung“ der waldorfpädagogischen Früherziehung. Damit meine ich eine Konzentration auf hochkonzeptuelle theoretische Kursarbeit und aktuelle Trends in der Bildung statt auf Kurserfahrungen, die die Entwicklung menschlicher, sozialer, künstlerischer, spiritueller und praktischer Fähigkeiten fördern, die in der Arbeit mit sehr kleinen Kindern benötigt werden.

 

In Nordamerika ist eine wesentliche Herausforderung für die Waldorflehrerausbildung die Kosten für die Studierenden, da ihr zukünftiges Gehalt eher bescheiden sein wird. Unsere nordamerikanischen Lehrerausbildungsprogramme werden hauptsächlich durch die von Studierenden gezahlten Gebühren finanziert, was sowohl für die Ausbildungszentren als auch für die Studierenden ein großes Problem darstellt.


Ein weiteres Problem, das ich sehe, ist der Umstand, dass die Ausbildung zunehmend in Teilzeit stattfindet. Dies bedeutet, dass es in den USA keine hauptberuflichen Ausbilderkollegen in der frühkindlichen Waldorferziehung mehr gibt. Nur eine Person in Kanada. Dies führt dazu, dass die Ausbildungszentren immer weniger in der Lage sind, Forschung zu betreiben, Artikel zu veröffentlichen und sich an einer breiteren Bildungsdebatte zu beteiligen. Darüberhinaus sollten die Schulungen auch mehr Vorbereitung umfassen für die Zusammenarbeit mit Kollegen und Eltern, sowie für die Arbeit mit Kindern mit besonderen Herausforderungen, mit Neugeborenen und Kindern bis zu drei Jahren und deren Eltern. Es besteht die Gefahr, dass die frühkindliche Waldorfpädagogik zu einer Ansammlung von Methoden statt zu einer kunstvollen Arbeit in einem sozialen Kontext wird. Aber eine solche Arbeit zu entwickeln, dauert länger und ist teurer.

 

Louisa Oberholzer: Einige Schulen sind nicht in der Lage, waldorfpädagogische Lehrkräfte anzuwerben und müssen daher ihre Lehrkräfte selbst ausbilden. Leider ist das oft nicht erfolgreich. Die Lehrer bleiben nur für eine Weile, erhalten eine Ausbildung und gehen dann wieder.


In einigen unserer Schulen ist es sehr schwierig, gute Waldorfpädagogik so umzusetzen, dass die Prinzipien der Waldorfpädagogik verstanden werden. Sehr oft scheinen die Lehrer heute nach vorgefertigtem Unterrichtsmaterial zu suchen.


Eine große Herausforderung für die Alphabetisierung in diesem Land ist die schlechte Grundschulbildung der Lehrer selbst, die zuvor im Apartheid-Regime benachteiligt waren. Gelegentlich sprechen solche Lehrer Englisch (die Unterrichtssprache) selbst nicht wirklich fließend. Die meisten von ihnen haben eine Muttersprache, die nicht Englisch ist.


Ein weiteres Problem ist die mangelnde Fähigkeit vieler Kinder heute, sich schriftlich auszudrücken. Bei unseren Tests stellen wir fest, dass Lehrer wohl in der Lage sind, Kinder darauf vorzubereiten, Erzählungen sachgerecht zu schreiben, die Fähigkeit der Beschreibung und knappen Darstellung sind jedoch unterentwickelt. Wir hoffen, dass dies durch die „Sprachwoche“ besser wird.

 

Angelika Wiehl: Die Herausforderungen sind so vielfältig, dass ich die Frage kaum beantworten mag, z. B. brauchen wir neue Arbeits-, Schulungs- und Übungsformen gerade auch für die Waldorfpädagogik – neben der notwendigen Auseinandersetzung mit der inzwischen zunehmend an den OECD-Richtlinien und damit an der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung orientierten Pädagogik auf allen Feldern. Mit Blick auf die weltweiten Herausforderungen, auf die Kriege, Katastrophen und Flüchtlingsströme, denke ich, kann die Waldorfpädagogik einen wesentlichen Beitrag leisten, das Leben lebenswert und zukünftig zu gestalten. Die Kinder und Jugendlichen erwarten von uns eine sinnstiftende Orientierung, damit sie sich ihrer Lebensintentionen bewusst werden und Verantwortung für Mensch und Erde übernehmen können. In letzter Zeit habe ich die Frage nach der pädagogischen Ethik der Waldorfpädagogik bewegt. Auf die kürzeste Formel gebracht, geht es darum, das Gute zu tun – in jeder pädagogischen Situation das Gute anzustreben und zu tun. Steiner hat dafür den Waldorflehrerinnen und -lehrern im letzten Vortrag der „Allgemeinen Menschenkunde“ drei orientierende Ideale gegeben: Phantasie, Mut zur Wahrheit und Gefühl für Verantwortung. Indem wir diese Ideale zu einem Motto der Waldorfpädagogikausbildung machen, können wir weltweit gemeinsam an den damit verbundenen Fähigkeiten arbeiten und den jeweils adäquaten Rahmen für die Ausbildung finden.

 

Welche Fragen haben Sie an die Waldorflehrerausbildung?

 

Christian Boettger: Auf einer unserer letzten Besprechungen in der Seminarkonferenz der Ausbildungsstätten in Deutschland wurde klar, dass die Hürde, die Kurse zur „Allgemeinen Menschenkunde“ zu geben, sehr hoch ist. Darum riet ich, in den etablierten Seminaren Hospitationen für interessierte Waldorflehrer einzurichten. Sie könnten mit einem erfahrenen Dozenten zusammen einen Menschenkundekurs geben und dabei gleich diese interessante Arbeit kennenlernen. Schön wenn das aufgegriffen würde!

 

Melanie Guerra: Wie bildet man Ausbildnerinnen und Ausbildner aus? Was ist in der Ausbildung der Lehrpersonen essentiell? Wie geht man mit der „Allgemeinen Menschenkunde“ in den Studiengängen um? Wie evaluieren wir unsere Studierenden?

 

Susan Howard: Meine Fragen haben mit den oben beschriebenen Bedenken zu tun. Ich bin besonders daran interessiert, wie wir neue Ansätze in der Waldorfpädagogik für frühkindliche Bildung finden können, die sich mit dem Prozess des Selbstlernens der erwachsenen Studierenden auseinandersetzen, anstatt sich auf traditionelle Formen wie Vorlesungen und Seminare zu stützen.


Ich bin auch daran interessiert, bewusster mit den universellen Aspekten der Waldorfpädagogik zu arbeiten, da sie ihren einzigartigen Ausdruck in verschiedenen Kulturen finden.
Ich möchte auch, dass wir Forschung fördern, die für eine wirkliche Vertiefung der Bildungskapazitäten relevant ist und diese unterstützt. Wie entwickeln wir als Ausbilder in der Erwachsenenbildung eine Forschungskultur, die der Waldorfpädagogik angemessen ist und sie fördert? Und natürlich brauchen wir auch Forschung, die waldorfpädagogische Ansätze sowohl unterstützt wie auch hinterfragt. Es ist mir jedoch nicht klar, welche tatsächlichen Forschungsstudien am wichtigsten sind oder wer die Fähigkeit, Glaubwürdigkeit und Objektivität hat, solche Forschungen durchzuführen.

 

Louisa Oberholzer: Eine erste Frage für mich ist, wie man die Sprache der Lehrer verbessern kann. Als Mentorin bin ich besorgt über die Leblosigkeit und die fehlende Modulation in der Stimme des Lehrers. Mir ist bewusst, dass der Klang der Stimme direkt auf die Seele des Kindes wirkt und dass eine ausdrucksvolle und lebendige Stimme zu einem lebendigen Inneren führt. In Diskussionen unter Sprachlehrern, darunter Geoffrey Norris, entstand die Idee zu einem Sprachtraining für Lehrer in Südafrika. Ich bin überzeugt, dass wir, wenn wir dies möglich machen, einen großen Schritt in Richtung einer neuen Qualität der Waldorfpädagogik tun.


Je mehr ich mit Lehrern zusammenarbeite, desto mehr erkenne ich, dass die Veränderungen, die nötig sind, um eine wahre Waldorfpädagogik aufzubauen, ihre Wurzel in der Kunst haben. Der Lehrer muss ein Künstler werden, um die Art von bildhaftem Denken zu entwickeln, die einen Waldorflehrer ausmacht. Ich finde, dass es viel effektiver ist, den Lehrern künstlerisch aktiv werden zu lassen, als die Kunst nur zu erklären.


Ich fürchte aber, wir werden bei unseren Bemühungen, eine Waldorfbewegung aufzubauen, völlig versagen, wenn wir das Studium der Anthroposophie nicht tiefer beleben. Wenn diese Saat auch nur bei einem oder zwei Lehrern in einer Schule aufgeht, bedeutet das einen enormen Schritt. Meine Frage ist, wie man dieses Studium in den Schulen zu einer allseits akzeptierten und dauerhaften Praxis führt.

 

Angelika Wiehl: Die Liste der zu stellenden Fragen ist lang – ein paar Beispiele: Wie kann die Zusammenarbeit auf anthroposophisch-pädagogischem Felde, aber auch fach- bzw. wissenschaftsübergreifend gelingen? Wie und wo wird die Weiterentwicklung der Waldorfpädagogik gepflegt? Wie wird sie kulturgestaltend? Bezüglich der Ausbildung von Lehrpersonen kommt es sehr auf den inhaltlichen Kontext an, mit dem man sich befasst. Geht es um Waldorfpädagogisches, um Fachdidaktisches usw.?

 

Ich selber gebe zur Zeit Kurse in waldorfpädagogischen, anthroposophischen, entwicklungspsychologischen, ästhetischen Grundlagen, in künstlerischer Prozessarbeit, gelegentlich auch in Fachdidaktik, daher interessiert mich das. Wichtig scheinen mir die Methoden zur übenden Vertiefung der Anthropologie zu sein – auch für nicht anthroposophisch Vorgebildete, die künstlerisch-sozialpädagogische Schulung (ich meine nicht Kunstkurse), damit verbunden auch die Entdidaktisierung und Rezeptbefreiung der Schulpädagogik, was das Exemplarische nicht ausschließt.

 

Für meine Anthropologiekurse an der Hochschule habe ich eine Methode Steiners aus der Vortragsreihe zur „Meditativ erarbeiteten Menschenkunde“ weiterentwickelt: Neben der verstehenden Lektüre dienen Gespräche und Spaziergänge zur besinnenden Vertiefung, farbige Schaubilder und schließlich freie Darstellungen der belebenden Verarbeitung der Inhalte. Kürzlich sagte eine Kollegin bezüglich der Waldorfgrundlagen: „Wir brauchen eine Ernährung“ – also Inhalte, die uns berühren und persönlich weiterbringen. Daraus schöpfen wir für die pädagogische Praxis. Das gilt auch für die praktischen, künstlerischen und sozialen Übungen. Sich im Erwachsenenalter begeistern und interessieren zu können, mit Rätselfragen umzugehen, etwas Neues und Bereicherndes lernen zu dürfen, kann für die pädagogischen Aufgaben der Zukunft impulsieren.

 

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

 

Übersetzung ins Deutsche Gerd Stemann



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