Wer erziehen will, muss selber erzogen sein. Wer auf die Jugend wirken will, muss selber jung bleiben und unablässig an sich selber arbeiten.

 

Simon Gfeller, Schweizer Pädagoge und Mundartschriftsteller (1868 - 1943)

Unterricht
English Week, China
Von: Christoph Jaffke, November 2016,

English-Week in China


In der Volksrepublik China hat sich die Waldorfschulbewegung so rasant entwickelt wie in keinem anderen Land der Welt. Gab es 2011 eine einzige Waldorfschule in Chengdu, so waren es drei Jahre später bereits 51 Schulen. Inzwischen sind es über 70 Schulen und über 300 Kindergartengruppen. Christoph Jaffke berichtet über die English-Week in China 2016.

Die Waldorfschulen in China bekommen noch Aufbauhilfe durch eine große Anzahl von Mentoren, vorwiegend pensionierte Kolleginnen und Kollegen aus Neuseeland, Australien, den Vereinigten Staaten und Europa. Inzwischen gibt es an sechs verschiedenen Orten berufsbegleitende Ausbildungen mit oft über 100 Teilnehmenden und mit einer Dauer von 3 Jahren.


Der Englischunterricht ist eine große Herausforderung für die Schulen. Da das Land viele Jahre von englischsprachigen Ländern abgeschnitten war, gibt es nur ganz wenige Lehrpersonen für Englisch als Fremdsprache, die – nach üblichen Maßstäben – über eine halbwegs lautreine Aussprache und ein sprachrichtiges Ausdrucksvermögen verfügen. Der größte Teil der Schulen befindet sich noch in der Aufbauphase, kann also nur Lehrpersonen mit Teillehrauftrag bezahlen. An vielen Schulen leidet der Englischunterricht unter einer starken Lehrerfluktuation. Selten wird die in der ursprünglichen Stundentafel bestimmte Fachstundenzahl erreicht. Erschwerend kommt hinzu, dass es – anders als für den Bereich des Klassenlehrers – noch keine Fachausbildung für Waldorf-Englischlehrpersonen gibt.


Monica Boyd, eine erfahrene, in Kanada ansässige Lehrerin, reist seit fünf Jahren im Land herum und arbeitet mit den Englischlehrpersonen an den Schulen. Mit ihr zusammen begründete ich in Guangzhou 2012 die „Conferences for Waldorf English Teachers“. Die Teilnehmerzahl schwankte über die Jahre zwischen fünfzig und siebzig.


In diesem Jahr fand diese Fortbildung zum fünften Mal statt, zum dritten Mal in einem großen buddhistischen Tempel: Tian Tai Temple, Hong An, in der Provinz Hubei, etwa drei Autostunden von der Millionenstadt Wuhan entfernt.


Zum ersten Mal wurde die Tagung in Zusammenarbeit mit dem China Waldorf Forum (CWF) durchgeführt, einem Wahrnehmungsorgan, das man vielleicht als Vorläufer eines in Zukunft zu begründenden Bundes der Waldorfschulen in China betrachten kann.


Von Anfang an war es uns wichtig, tägliche künstlerische Übungen für die Lehrpersonen im Programm zu haben. In diesem Jahr hatten wir zum vierte Mal englische Eurythmie mit Claudia Fontana (USA), die englische Sprachgestaltung wurde in diesem Jahr von Tessa Westlake geleitet. Für die methodisch-didaktischen Seminare gab es drei Gruppen: Klasse 1 bis 4 (C. J.), Klasse 3 bis 5 (Monica Boyd), Klasse 6 bis 8 (Petra Eimermacher). Zum ersten Mal hatten wir in diesem Jahr jeden Morgen eine gemeinsame Grundlagenarbeit für alle Teilnehmenden: Ben Cherry, der Pionier der Waldorfpädagogik in China, behandelte einzelne Motive aus der Allgemeinen Menschenkunde mit uns. Diese wurden in den Fachkursen immer wieder aufgegriffen.


An drei Abenden der Woche übten sich die Teilnehmenden im Story-Telling. Dabei geht es um den der jeweiligen Alters- bzw. Klassenstufe entsprechenden Einsatz von Stimme und Körpersprache. Durch eigenes Tun und das Wahrnehmen anderer Kursteilnehmerinnen und – teilnehmer entstand auch hier eine dichte Lernatmosphäre. Wie in den methodisch-didaktischen Kursen gab es auch hier immer viel zu lachen. Von Vielen wurden die beim Story-Tellling gemachten Erfahrungen als sehr wichtig und hilfreich bezeichnet.


Im Lauf der Tagung wurde auch überlegt, wie eine vollwertige, berufsbegleitende Ausbildung für Waldorf Englisch Unterrichtende auf den Weg gebracht werden könnte. Im kommenden Frühjahr, Ende April 2017, findet in Chengdu – zum ersten Mal in der Volksrepublik China – die Asian Waldorf Teachers’ Conference statt, die siebte ihrer Art. Bis dahin sind wir hoffentlich schon der Antwort auf die Frage etwas näher gekommen, wo und mit welchen Mitarbeitenden, eine solche Fortbildung institutionalisiert werden kann.



 

Prof. Dr. Christoph Jaffke war von 1967 bis 2000 Englischlehrer an der FWS am Kräherwald in Stuttgart. Nach zwei Gastprofessuren in Japan gehörte er 2006 zum Gründungskollegium der Waldorfschule Silberwald in Stuttgart-Sillenbuch, wo er bis 2011 unterrichtete. Er begründete 1975 die Reihe Materialien für den Fremdsprachenunterricht der Freien Waldorfschulen. Seit 1975 ist er am Stuttgarter Seminar für Waldorfpädagogik an der Ausbildung von Englischlehrern beteiligt. Heutzutage ist er immer wieder zu Seminaren, Vorträgen und Schulberatungen in Europa, Süd- und Mittelamerika und asiatischen Ländern unterwegs. 



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